Warum Warten beim Bellen grausam ist – und nicht funktioniert
Oft wird Menschen geraten, erst wieder ins Haus zu gehen, wenn ihr Hund aufgehört hat zu bellen. Dieser Rat klingt auf den ersten Blick logisch – ist aber in Wahrheit grausam und vollkommen wirkungslos.
Heute möchte ich deshalb einen der schädlichsten Tipps aufgreifen, die im Internet und leider auch unter Trainer:innen, die nicht auf Angst- und Stressprobleme spezialisiert sind, weit verbreitet sind.
Der Rat lautet:
„Wenn dein Hund bellt, geh nicht rein. Warte draußen, bis er ruhig ist. Sonst verstärkst du das Bellen.“
Klingt zunächst plausibel. Natürlich wollen wir das Bellen nicht „belohnen“. Und ja – alles Angenehme kann grundsätzlich verstärkend wirken.
Aber beim Desensibilisierungstraining für Trennungsangst geht es nicht darum, Verhalten zu formen. Es geht darum, emotionale Sicherheit aufzubauen.
Wir dürfen nie vergessen:
Wir arbeiten mit einem Hund, der panische Angst hat.
Und jede Angstepisode verstärkt diese Angst und schadet seinem Wohlbefinden.
Warum dieser Rat deinem Hund schadet
Stell dir vor, du würdest schreien, weil du in einem Raum voller giftiger Schlangen eingesperrt bist.
Wäre es mitfühlend, wenn jemand vor der Tür wartet, bis du aufhörst zu schreien?
Würde dich das beruhigen? Oder das Problem lösen?
Natürlich nicht.
Es wäre zutiefst traumatisierend.
Du hast Angst – und die Person, von der du Hilfe erwartest, bleibt bewusst fern.
Genauso fühlt sich dieser „Trainingsansatz“ für einen Hund mit Trennungsangst an.
Die gute Nachricht: Bei richtigem Training passiert das nie
Wenn du Trennungsangst mit echter, sauberer Desensibilisierung trainierst, kommt dein Hund niemals in einen Zustand, in dem er bellt, jault oder panisch ist.
Ein wunderbarer Nebeneffekt dabei ist:
Du wirst mit der Zeit unglaublich gut darin, die kleinsten Anzeichen von Unbehagen zu erkennen.
Du siehst Mikrozeichen wie:
leichtes Ohrzucken
ein kurzer Blick zur Tür
zarte Muskelspannung
ein winziges Stressatmen
Und genau dann brichst du ab und kommst zurück – nicht erst, wenn dein Hund bereits Angst hat.
Du reagierst sofort, manchmal sogar bevor du sicher bist, dass dein Hund kippt.
So lernt er:
„Alleinsein ist sicher. Du kommst zurück, bevor ich Angst bekomme.“
Und genau das ist der Kern von erfolgreichem, mitfühlendem und wissenschaftlich fundiertem Separation-Anxiety-Training.